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15.05.2021
Garten

„Naturnah gärtnern“ in der Kleingartenanlage


Teerofen II in Eggesin

In seinem Vorwort zur Broschüre „Naturnah gärtnern …“, die in diesem Jahr neu aufgelegt wurde, schreibt Dirk Sielmann, Präsident des Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V. u. a.: „Selbstversorgung auf kleinem Raum – dafür stehen Kleingärten bereits seit ihrer Entstehung vor rund 200 Jahren. Heute sind den Kleingärtnern der regionale Anbau von Obst, Gemüse und anderen Gartenbauerzeugnissen in Bio-Qualität Motiv genug, um bundesweit rund 44.000 Hektar Fläche in über 900.000 Kleingärten zu beackern. In Kleingärten wird naturnah gegärtnert. Im Fokus stehen der nachhaltige Umgang mit den Ressourcen Boden, Wasser, Luft und das Wissen um die komplexen ökologischen Zusammenhänge der Natur.“

Sowohl in den einzelnen Parzellen als auch in den Kleingartenanlagen mit ihren vielfältigen Gemeinschaftsflächen kommt der Grünanlagenpflege und dabei der Pflege der Pflanzflächen eine besondere Bedeutung zu. Zur Pflege der Pflanzflächen gehören das Durchputzen, das Mulchen und das Lockern. Die Bodenbearbeitung bestimmt das Maß der Bodennutzung. Für die Erhaltung einer guten Bodenstruktur ist der Bearbeitungszeitpunkt sehr wichtig. Zu Beginn des Gartenjahres stehen die Bodenbearbeitungsmaßnahmen zur Sicherung des Auflaufens der Saat und des Anwachsens von Pflanzen. Wird der Boden mit einer ständigen Vegetationsdecke bedeckt und geschützt, bedarf es in der Regel keiner Eingriffe in das Bodengefüge, um günstige Voraussetzungen für das Pflanzenwachstum zu schaffen.

Sind es freiliegende Böden oder Flächen, die zukünftig für den Anbau genutzt werden sollen, beginnen wir mit den drei Schritten zur Pflege: Beim Durchputzen werden abgeblühte und abgestorbene Pflanzenteile abgeschnitten sowie unerwünschter Aufwuchs abgetrennt. Laub, Pflanzenteile, Zweige, Unrat und Steine werden entfernt. Beim Mulchen wird die Gartenfläche durch lebende Pflanzen, abgestorbenes und verrottbares Material bedeckt. Die Bodenbedeckung wirkt als Verdunstungsschutz, erhält und fördert die Bodengare, beeinflusst die Bodentemperatur, aktiviert das Bodenleben, verhindert Bodenverkrustung und -verfestigung durch Starkniederschläge, vermindert Bodenabtrag durch Wind und Niederschlag und unterdrückt Bei- bzw. Wildkräuter. Durch das Lockern werden Verdichtungen, Verschlämmungen und Verkrustungen der Bodenflächen beseitigt. In einer Handvoll gesunder Gartenerde leben über eine Milliarde Bodenlebewesen. Viele sind spezialisiert auf eine bestimmte Bodenschicht. Daher ist es besonders wichtig, den Boden möglichst schonend zu bearbeiten und wenn unbedingt nötig allenfalls die oberen Boden-schichten zu bearbeiten. Viele Störungen beeinflussen das Bodenleben negativ. Zur Bodenbearbeitung sollten auf keinen Fall motorenbetriebene Geräte (Motorfräse, Motorhacke u.a.) genutzt werden. Besser geeignet sind Spaten, Dreizink, Grubber oder Hacke.

Das Ziel jeder Grünpflege ist ein fruchtbarer Boden. Auch der fruchtbarste Boden verliert durch Anbau und die Ernte von Pflanzen Nährstoffe. Diese müssen auf irgendeine Weise wieder in den Boden gelangen, damit er auf lange Sicht fruchtbar bleibt. Mineralische Dünger sind nicht die beste Wahl, die Böden können versauern. Besser ist es daher, den Boden mit organischem Dünger, wie Stallmist, Gründüngung oder Kompost zu versorgen. Bei diesen Düngern müssen die Nährstoffe erst durch Abbau gelöst werden, so dass sie ihre Wirkung langfristig entfalten. Das Bodenleben wird durch organische Substanz „gefüttert“ und eine Überdüngung und Auswaschung von Nährstoffen wird vermieden. Organische Dünger können zu einem höheren Humusgehalt und damit zu einer höheren Bodenqualität beitragen.

Sollten in unseren Kleingartenanlagen einmal größere Flächen rekultiviert werden, lange leerstehende Parzellen einer neuen Nutzung zugeführt werden, dann ist oft professionelle Hilfe unerlässlich. Professionelle Hilfe kostet Geld. Aber es ist Geld, das gut angelegt ist. Der Regionalverband wird solche Vorhaben immer unterstützen – mit Rat, aber auch finanziell. Unsere Kleingartenanlagen sind blühende Oasen inmitten oder am Rande bebauter Flächen. Wir Kleingärtner leisten unseren Beitrag für saubere Luft und für den Erhalt von Flora und Fauna.

Geschrieben von
Detlev Herrenkind
Vorsitzender des Regionalverbandes der Gartenfreunde Uecker-Randow e.V.
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