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28.03.2021
Regionales

Ein(Blick) in unsere Geschichte: von Zement, Forstwirtschaft und den Brohmer Bergen


Kirche in Groß Spiegelberg

Dieses Mal soll es um einen Teil der historischen Uckermark gehen. Die Gemeinde Jatznick besteht aus verschiedensten Ortschaften: Belling, Sandförde, Klein Luckow, Blumenhagen, Waldeshöhe, Groß Spiegelberg und Am Bahnhof.

Urkundlich wird Jatznick 1354 das erste Mal erwähnt. Auch hier siedelten wieder Slawen, welche dem Ort wohl einen Namen zu gedachten, der heute auch im Wappen verewigt ist. Ein Eschenzweig soll sich auf den naheliegenden slawischen Namensursprung von „jaseno“ für „Esche“ beziehen. Dass Jatznick als Ortschaft heute zwar die Größte der Gemeinde ist, bedeutet aber nicht, dass das Dorf auch das Älteste sein muss. Groß Spiegelberg feierte bereits 2008 seine 680 Jahre. Der Gedenkstein dafür steht gegenüber der Kirche, an welche eine Gruft, der Herren von Winterfeld, aus dem 14. Jahrhundert anschließt.

Ein paar der Ortschaften werden im Landbuch Karl IV. von 1375 erwähnt, mit einer Aufstellung der zugehörigen Hufen und Kossätenhufen, den zu entrichtenden Abgaben und den Zugehörigkeiten, unter anderem deshalb lassen sich die Besitzungen und die Entwicklungen zuordnen. Belling allerdings war, als einzige der genannten in der Uckermark befindlichen Ortschaften, pommerscher Besitz.

Mit Jatznick wurden zum Ende des 15. Jahrhunderts, 1490, zwei Brüder aus dem pommerschen Adelsgeschlecht der Muckewitz belehnt. Nach dem Aussterben des Geschlechts im 16. Jahrhundert fielen deren Besitzungen an die pommerschen Herzöge zurück.

Durch den Ort zu spazieren bedeutet heute, dass man ein sehr langgezogenes Dorf erkundet und durchaus auch auf Fragezeichen stoßen kann. Neben allerlei alter Gebäude und Findlingen, findet man in der Rothemühler Landstraße zum Beispiel auch etwas, das als Schachtofen aus dem 19. Jahrhundert ein Zeugnis der Zementherstellung in der preußischen Provinz Pommerns ist. Das Vorkommen von Wiesenkalk mit besonderer Eignung zur Zementherstellung machte Jatznick damals für Investoren interessant. Zeitweise wurden in der Mercur AG, welche Portlandzement herstellte, rund 100 Personen beschäftigt. Heute thront hoch auf dem Ofen aber mit allem Recht ein Storchennest.

Vom Zement jetzt aber zur Forstwirtschaft. Im Moment kann man die Forstsamendarre Jatznick zwar nicht besuchen, man sollte sie sich aber für später merken. Sie ist nicht nur ein Ziel für forstwirtschaftlich Interessierte. Die historische, beinahe 100 Jahre alte, Samendarre wurde im Jahr 1923 errichtet. Als einzige Schaumanufaktur der neun historischen in Deutschland befindlichen Darren kann man hier einmal ganz nah ran, mit Führungen und Ausstellung zum Thema. Der angeschlossene dendrologische Garten lädt zudem zum Verweilen ein.

Steht einem der Sinn doch noch mehr nach Natur, und weniger nach der Technik, die man in der Samendarre vorfindet, gibt es da ja auch noch die Brohmer Berge. Die Brohmer Berge sind ein Endmoränenzug, welcher benannt ist nach dem Friedländer Ortsteil Brohm und der aus dem slawischen die Bedeutung „Tor“ haben soll.

Jatznick grenzt also an diese Landschaft und es gibt die Möglichkeit, diese Natur entlang von beispielsweise Radwegen zu erkunden. Idyllische Natur zu erleben ist in diesem etwa 6500 Hektar großem Gebiet problemlos möglich, kann aber durchaus auch mal etwas hügelig werden. Zwar ist er nicht der höchste doch beinahe der mit dem schönsten Namen, denn in Jatznicker Nähe erhebt sich der etwa 114 Meter hohe Kaspers Berg.

Und wenn es nicht das Radeln oder Wandern ist, dann vielleicht das Boxen? Klein Luckow ist unter jenen Sportbegeisterten bestimmt ein Begriff. Hier wurde 1905 Max Schmeling geboren. Dem mehrfachen Schwergewichtsweltmeister wurde in seinem Geburtshaus eine Gedenkstätte errichtet.

In Klein Luckow war nachweislich auch seit 1375 viele Jahrhunderte lang die Adelsfamilie von der Dollen ansässig, wenn es doch wieder ein bisschen geschichtlich werden soll. Rund um Jatznick sollte man also immer etwas finden: zum Entspannen, Lernen, Erkunden und/oder Genießen.

Teresa Mirasch

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