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26.11.2022
Regionales

(Ein)Blick in unsere Geschichte – Zusammenfluss, Schifffahrt und Militär


Fachwerkkirche Eggesin

„Liebe Freundin, ich schreibe dir aus einer Stadt, von der man sagt, dass es sie in ein paar Jahren nicht mehr geben wird.“ Mit dieser Ausgangssituation sieht sich die fiktive Figur der aus dem Jahr 2005 stammenden Dokumentarischen Filmerzählung „Eggesin möglicherweise“ von Olaf Winkler und Dirk Werth konfrontiert. Vor dem Hintergrund des Bevölkerungsschwundes seit den 1990ern und prognostizierter weiterer Abwanderung schienen dies die Aussichten für die Stadt zu sein, als nach der Wende die Stationierung der NVA und später der Bundeswehrsoldaten wegfiel. Heute gibt es den Ort trotz aller Widrigkeiten der letzten Jahrzehnte noch immer und mit mehr als 800 Jahren hat Eggesin, das erst 1966 zur Stadt ernannt wurde, auch eine lange Geschichte, auf welche es zurückblicken kann.

Eggesin liegt im Naturpark „Am Stettiner Haff“. Zu Fuß, auf dem Rad und auf den Wasserwegen der Region erkundet man hier auf mehr als 200 km Wegenetz die Natur. Eggesin ist umgeben von viel Wasser, unter anderem fließt die Randow durch den Ort und kurz hinter ihm schließlich weiter in die Uecker. Auf dem Landwege einen aussichtsreichen Zugang zu dieser Stelle zu bekommen, ist nicht ohne weiteres möglich, doch auf dem Wasserwege kann jeder dem Fluss der Randow folgen. Angenommen wird, dass der Ortsname eben auf das Zusammenfließen der Uecker und der Randow Bezug nimmt, also „Eggesin“ für „Zusammenfluss“ stehen könnte, doch auch Deutungen wie „Erdhütte“ aus dem Polnischen heraus sind denkbar.

Erstmalig findet Eggesin Erwähnung in einer Urkunde vom 07. April 1216, in ihr wird die Schenkung des Dorfes „Gizyn“ an das Kloster Grobe festgehalten. Zum Ort gehörte eine weite Fläche Land und ein See, „Klestno“ genannt, vermutlich der einstige Eggesiner See. Die ursprüngliche Namensbezeichnung leitet sich dabei womöglich ab vom Wort „Kleschtschi“, Krebsschere, welches somit die Bedeutung „Krebssee“ nahelegt. Dieser See gehörte der Bauerngemeinschaft Eggesin, die seit 1803 aus neun Halbbauernstellen bestand. Hälftig wurde der See an Bellin verkauft. Heute ist aus ihm ein Verlandungsmoor geworden.

Besonders bedeutsam war jedoch nicht die Fischerei, sondern die Flussschifffahrt für den Ort. Unter anderem lag bei Eggesin eine wichtige fürstliche Zollstation. Auf die Kahnfahrt zwischen Pasewalk und Ueckermünde entfiel so auf jede Tonne Tran, Pulver, Butt und alles andere ein Entgelt und war Anlass einigen Unmuts. 1862 waren in Eggesin 39 Flusssegler im Einsatz.

Die Verarbeitung von Holz und Kohle machten das hauptsächliche wirtschaftliche Handeln des Ortes und seiner Einwohner aus. Der sandige Boden führte in früheren Zeiten zu geringen Erträgen in der Feldwirtschaft und an Tieren wurden vor allem Rinder und Schweine gehalten. Unter dem sandigen Boden fand sich jedoch eine dicke Schicht Lehm, welche die Fabrikation von Ziegeln ermöglichte und auch die Torfstecherei sorgte für manchen Lebensunterhalt. Mit mehr als 1000 Einwohnern war Eggesin um 1860 eine der fünf größten ländlichen Ortschaften im Kreis Ueckermünde. Um 1880 lebten knapp 2200 Menschen im Ort.

Eggesin hat zwei Kirchen, eine findet sich inmitten des Ortes, gegenüber des Vierseitenhofes, in dem heute das Rathaus und die Blaubeerscheune des Ortes beheimatet sind, und stammt aus dem Jahr 1911, die andere ist deutlich unscheinbarer. Ein Fachwerkgebäude, weiße Fassade und dunkle Holzverstrebungen sowie der fehlende Turm widersprechen dem klassischen Bild der Feld- oder Backsteinkirche. Für die Region sind solche Fachwerkkirchen auf dem Lande allerdings nicht ungewöhnlich, sie entstanden oft erst im 18. Jahrhundert. Unmittelbar neben dieser Kirche steht das einstige Gebäude der Volksschule, heute hat dort die Heimatstube des Ortes ihren Platz, in welcher zu den Öffnungszeiten Bilder, Dokumente, Möbel und Werkzeuge vergangener Tage gezeigt werden. Die militärhistorische Bedeutung, die Eggesin vor allem in der DDR gehabt hat, wird im Militärhistorischem und Technischem Museum in der Heidestraße bearbeitet. Eggesin ist geprägt durch seine Geschichte als Garnisonsstadt, doch diese Geschichte ist sicher nicht alles, was es in und um den Ort zu entdecken gibt.

Teresa Mirasch

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