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17.08.2022
Regionales

(Ein)Blick in unsere Geschichte – Schäfer, Teich und Gut


Rollwitz Teich

Auf dem Weg zur A20 oder von der Autobahn in Richtung Ostsee durchquerte schon so mancher einen kleinen Ort namens Rollwitz. Entlang der im Sommer viel befahrenen Hauptstraße zieht sich das circa 1000-Seelen-Dorf etwa einen Kilometer lang unter anderem vorbei am Dorfteich, der heute wohl vor allem zum Angeln, Rasten oder zum Schlauchbootrennen anlässlich des Rollwitzer Dorffestes (wieder am 06.08.2022) und in einem kalten Winter zumindest noch einige Tage zum Eislaufen genutzt wird.

Woher der Ortsname stammt, wurde bisher nicht aufgeklärt. Die Vermutung, dass der Ortsname von einem Personennamen stammen könnte – also eine patronymische Bedeutung hat – ist allerdings eine verbreitete Auffassung. In jedem Fall ist auch Rollwitz vermutlich slawischen Ursprungs. Eine jungslawische Siedlung ist für den Ort nachgewiesen.

Rollwitz gehörte sehr lange zu Brandenburg, genauer gesagt bis zum Jahr 1950, als der Ort von der Verwaltung durch den Kreis Prenzlau zum Kreis Pasewalk gelangte. Heute gehören zu Rollwitz noch die Ortsteile Schmarsow + Ausbau, Züsedom und Damerow.

Nah am Dorfteich stand in jüngster Vergangenheit (bis 2010) noch das alte Gut Rollwitz. Hier lebten unter anderem Sprosse der Familien Lindtstedt und Falkenberg, dieser Familienzweig erlosch 1759 in Rollwitz. Der märkische Adel saß deshalb hier, weil Rollwitz – oder Rullenwitz, wie die ersten Ortsnamenserwähnungen das Dorf nennen – lange Zeit märkisch war. Bereits 1375 ist der Ort im Landbuch Karls IV. als Teil der Uckermark aufgenommen und beschrieben, zu dieser Zeit lag der Ort unter der Herrschaft der Pommernherzöge – an welche diverse Teile der Uckermark verpfändet waren. Das Gut hatte womöglich nach 1650 der Rittmeister von Winterfeldt gegründet, nachdem er die Anteile der Familie von Lindstedt und die des Heiliggeist-Hospitals in Pasewalk erworben hatte und letztlich den Ort im Ganzen in seinem Besitz hatte. Die Erben der Winterfeldts verkauften dann 1833 ihr Gut an die Herren von Stülpnagel (uckermärkischer Adel), welches diese bis 1872 besaßen. Trotz Denkmalschutz wurde das Gutshaus nach dem Verkauf 2010 dann schließlich abgerissen, die Wirtschaftsgebäude stehen dagegen bis heute noch, allerdings in schlechtem Zustand.

Etwas hinter dichten Bäumen verborgen findet man die Rollwitzer Dorfkirche, welche in ihren Ursprüngen (Chor) wohl bereits aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt und an welche sich auch der Park des Ortes anschließt. Letzterer ist heute wild bewachsen und beherbergt einen Spielplatz und den angrenzenden Sportplatz. Die Glocke der Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert und die Malereien im Inneren aus dem 18. Jahrhundert. Sie zeigen „Das Gleichnis vom verlorenen Sohn“. Um 1543 gehörte die zuvor wohl „wüst“ gelegene Rollwitzer Kirche als Tochterkirche zu Schmarsow.

Das Gut Rollwitz und der Ort wurden statistisch stets voneinander getrennt, die Bevölkerung beider Teile war jedoch annähernd gleich, insgesamt lebten um 1860 im heutigen Rollwitz etwas mehr als 300 Menschen. Neben den bewirtschafteten Ackerflächen und früheren Hufen war in Rollwitz auch eine Torfstecherei, ebenso wie auch in Schmarsow und anderen Ortschaften entlang des „Uckerbruchs“.

Eine bekannte Erzählung zum Ort spielt sich dagegen nicht direkt im Dorf ab, sondern auf dem kleinen Hügel, den man aus dem Ort kommend in Richtung Autobahnauffahrt linker Hand sehen kann. Der Töppelberg – manchmal auch Täppelberg genannt – ist ein altes Hügelgrab, vermutlich aus der Bronzezeit. Einst erschienen einem Schäfer aus Rollwitz, der sich mit seiner Herde dort niederließ, laut Überlieferung dort drei junge Frauen, für sie spielte er Musik und sollte als Dank von den drei Frauen Geschenke bekommen. Er lehnte alle Geschenke ab, auch einen Blumenstrauß. Als er letzteren doch annehmen wollte, verschwanden die Frauen mit dem Klang der Abendglocke. Hätte er nur eines der Geschenke angenommen, wären die drei Frauen von dem Bann, der auf ihnen lastete, erlöst gewesen, doch es war zu spät und die Frauen erschienen dem Schäfer, sooft er den Ort auch wieder aufsuchte, niemals wieder.

Teresa Mirasch

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