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18.04.2022
Regionales

(Ein)Blick in unsere Geschichte – Offenlandfläche, Hopfen und Eisen


Heimatstube Hammer

In Liep is’t Hunger nich wiet,
In Hommer is keen Brot in’t Kommer
Oeber för Kuhlmorgen wat uns’ Herrgott sorgen.

Glücklicherweise ist an diesem Reim heute wohl keine Wahrheit mehr zu finden, so soll es nun dennoch um die Orte Hammer und Liepe gehen. Für Hammer findet sich zwar kein Anhaltspunkt, der auf die Gründung des Ortes verweist, eine der ersten Erwähnungen Liepes stammt aber aus dem Jahr 1354. Tatsächlich bezieht sich eine Ortsbezeichnung wie Hammer durchaus auf das entsprechende Werkzeug und die Verarbeitung von Roheisen in der Gegend. Die Ortsbezeichnung Hammer ist daher relativ verbreitet. Für 1821 finden sich rund 80 Einträge nur für preußisches Gebiet. Seit 1756 stand Hammer unter der Hüttenverwaltung Torgelows, nachdem dort eine Eisenhütte errichtet worden war.

Eigentlich bestand der Ort aus zwei zusammengehörenden Teilen: Groß-Hammer und Klein-Hammer. Durch Erbpacht ging der Ort durch nicht wenige Hände. In Klein-Hammer gab es eine Wasser-Schneidemühle (ein mit Wasser betriebenes Sägewerk), während Groß-Hammer in Dorf und Gutshof (Vorwerk) unterschieden wurde. 1821 lebten in Hammer insgesamt 175 Menschen, im Jahre 1865 waren es 289 in Groß-Hammer und 13 in Klein-Hammer. Groß-Hammer hatte zu dieser Zeit ein Schulhaus sowie ein Armenhaus. Der Hammer-See bei Klein-Hammer war bereits trockengelegt, existierte 1779 aber scheinbar noch, und in fruchtbare Wiese umgewandelt worden und durch die Lieper Wiesen führte ein Treidelstrich über den Boote und Holzflöße bis nach Torgelow gezogen (getreidelt) wurden.

Möchte man aus Hammer heraus, umgibt einen wohin man blickt Wald und Natur. Auch der Weg nach Liepe, welches seit 1957 zur Gemeinde Hammer gehört, führt durch den Wald. Auf halber Strecke verweist uns ein Schild auf das DBU-Naturerbe Kuhlmorgen. Nach kurzer Zeit kann man eine Fläche erreichen, die in den 1970ern kahlgeschlagen wurde und erst der NVA und später der Bundeswehr als Fahrgelände diente. Heute ist es eine Offenlandfläche von 130 ha und einer Gesamtfläche von 308 ha mit vielfältiger Flora und Fauna. Die Natur rund um die beiden Orte, unter anderem auch die 350 Jahre alte Eichenallee in Liepe, lädt zum ausgiebigen Spazieren oder sogar Wandern wirklich ein.

Der Ortsname Liepe scheint vom slawischen „lipa“, was Linde bedeutet, abgeleitet zu sein, wie auch schon bei Liepgarten. Auf dem Friedhof in der Ortsmitte steht heute ein Glockenstuhl mit einer Glocke von 1729, als Kapelle diente zu dieser Zeit wohl das Schulhaus mit Betstube, nachdem eine frühere Kapelle im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war. Landwirtschaftlich setzte Liepe lange auf den Hopfen, der scheinbar auch für das seit dem Spätmittelalter in Pasewalk hergestellte Bier „Pasenelle“ genutzt wurde. Die früher in Liepe befindlichen Hopfengärten waren auch Gegenstand der Urkunde, die Liepe 1354 erstmals erwähnte. In dieser bestätigten die Herzöge von Pommern den Pasewalker Bürgern ihre Rechte an den Wiesen und Hopfengärten in Liepe.

Zu Hammer und Liepe gibt es übrigens nicht nur den oben aufgeführten Reim, sondern auch noch eine eigentümliche Erzählung zum Ort Liepe. In einem Beitrag zu pommerschem Aberglauben wird berichtet, dass in Liepe – womöglich zum Ende des 18. Jahrhunderts – eine schlimme epidemische Krankheit grassierte, die die Dorfbewohner „ausbrannten“. Ein mit Teer bestrichenes Wagenrad wurde dafür auf einem Hügel außerhalb des Dorfes angezündet und gedreht, bis es verkohlt war, dabei wurde ein Spruch gesprochen, der heute leider unbekannt ist, denn scheinbar zeigte das Verfahren Wirkung. Die Erzählung wurde bis ins Jahr 1896 weitergetragen und dann festgehalten.

Im Gemeindehaus in Hammer befindet sich die Heimatstube des Ortes, wo es den Besuchern möglich ist, andere und weitere Einblicke in die Geschichte und die Entwicklung der zwei Ortsteile Hammers und des Ortes Liepe zu erhalten.

Teresa Mirasch

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