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06.06.2021
Regionales

(Ein)Blick in unsere Geschichte – Birken, Hugenotten und Amerika


725 Jahre Bergholz

Wer über das kleine Örtchen Bergholz recherchieren will, über dessen Kopf erscheinen möglicherweise viele Fragezeichen. Berchholt, Berckholt, Berkholz, Berckholz oder doch Bergholz? Es handelt sich nicht nur um verschiedene Namensvarianten, sondern auch um mindestens drei verschiedene Orte, alle gelegen in der einstigen Uckermark. Eines der Dörfer befindet sich bei Schwedt, ein anderes bei Templin, und keines von ihnen soll für uns heute interessant sein.

Das Bergholz, um welches es gehen soll, gehört zum Altkreis Uecker-Randow und liegt zwischen Rossow und Löcknitz. Fährt man aus Richtung Löcknitz in das Dorf, wird einem auch schnell bewusst, woher es seinen Namen haben muss. Bergholz ist eine Abwandlung des Wortes Birkengehölz und lässt damit auf die Umgebung des Ortes schließen. Sehr malerisch fährt man über eine Straße, entlang derer Seiten im Moment noch gelbblühende Bäume stehen. Kommt man nun in den Ort, kann man sich nach rechts wenden und wird seine Freude finden: zum Beispiel am Heimatmuseum, im ehemaligen Schulgebäude, welches direkt an der Kirche gelegen ist. Entdecken kann man außerdem die aus dem 19. Jahrhundert stammende Dorfkirche selbst und ihre kleinen Bewohner. Die Ziegen sorgen hier für die landschaftliche Ordnung. Direkt gegenüber vom Heimatmuseum befindet sich außerdem noch das Trachtenmuseum, kurzum: alles was der neugierige Besucher sich erträumt. Nun wird es Zeit, einen Blick in die Geschichte des Ortes zu werfen.

Zurück zu den Anfängen: Im Jahr 2012 feierte die Gemeinde Bergholz ihr 725-jähriges Bestehen, obwohl die erste urkundliche Belegung des Ortes erst aus dem Jahre 1484 stammt. 1287 wird ein Johannes Berkholt in einem Schreiben erwähnt und mit ihm beginnt die Geschichte des Ortes.

Wussten Sie zum Beispiel, dass sich im 19. Jahrhundert in Amerika Ortschaften gründeten, wie Brüssow, Woddow und (New) Bergholz? 1843 siedelten etwa 100 Familien aus Preußen in die Nähe der amerikanischen Stadt Wheatfield. Grund waren vor allem Religionsfragen.

Nach dem Ende des verheerenden Dreißigjährigen Krieges bemühte sich Preußen um eine Wiederbesiedlung des Landes, unter anderem mit den aus Frankreich fliehenden Hugenotten, in Bergholz siedelten sich die Anhänger des Calvinismus an. 1687 gründete sich die Hauptgemeinde Französisch-Bergholz, zu ihr gehörten auch Orte wie Plöwen. Die Ansiedlung der aus Frankreich geflüchteten Hugenotten wurde für das Dorf prägend. Im 19. Jahrhundert lebte man in Bergholz, wie auch in vielen umliegenden Dörfern, von dem durch die hugenottischen Siedler eingeführten Tabakanbau. 1953 gründete sich die erste LPG in Bergholz. Heute gehört Bergholz zur Gemeinde Löcknitz, zuvor jedoch bis 1945 lange zum Landkreis Prenzlau.

In der Heimatstube und dem Trachtenmuseum in Bergholz bekommt die hugenottische Prägung des Ortes eine wichtige Rolle. Neben der typischen Kleidung der Bevölkerung kann der Besucher hier beispielsweise auch Werkzeuge des Tabakanbaus und viele weitere Ausstellungsräume mit unterschiedlichen Themenbereichen bestaunen. 2012, anlässlich des 725-jährigen Bestehens des Ortes, gab es außerdem Besuch aus dem fernen Amerika. Auch dort gibt es einen Verein, der die Geschichte der Siedler und ihren Weg bis nach Amerika verfolgt. Sich einmal in das Leben der hugenottischen Bevölkerung hineinzuversetzen und die Motive ihrer Übersiedlung zu ergründen, ist in Bergholz sicher möglich. Und wer womöglich Antworten auf die eigene Familiengeschichte sucht, könnte ebenfalls in Bergholz fündig werden. Oder Sie genießen einfach den Weg, der sich Ihnen auftut, unter Bäumen hinweg und über die Kopfsteinpflaster des Ortes.

Teresa Mirasch

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