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19.08.2021
Regionales

(Ein)Blick in unsere Geschichte – Birken, Sagen und ein Naturschutzgebiet


Weltkriegsdenkmal in Brietzig

Sehr groß wirkt Brietzig wahrlich nicht, auf schmaler Straße kommt man in das gerade einmal 200 Seelen Dorf bei Papendorf.

Bisher haben wir schon des Öfteren Ortsnamen gehabt, die sich auf die unmittelbare Umgebung der Orte beziehen. In dieses Muster passt auch Brietzig, dessen Namensbedeutung im früheren slawischen sich heute auf die Birke zurückführen lässt. Da dieser Baum hierzulande nicht außergewöhnlich ist, finden wir die Ortsbezeichnung Brietzig oder eine ihrer anderen Schreibweisen zum Beispiel auch in Brandenburg und Polen.

Zugehörig zu Brietzig scheint Henricus de Brizeke zu sein, der bei der Ausstellung einer Urkunde von 1269 als Zeuge benannt wurde. Häufig kann von solchen Familiennamen auch auf die Orte geschlossen werden, aus denen die Menschen möglicherweise stammten. Die Familie von Brietzig (im Landbuch von 1375 „Brisecke“) hatte auch noch zum Ausgang des 14. Jahrhunderts Besitzungen im Ort. Aus dieser Urkunde kann man so schließlich auch das ungefähre Alter des Ortes ableiten.

Im 13. Jahrhundert entstand dann auch die Ortskirche aus Feldsteinen. Die Kirche in Brietzig wurde, zunächst mit einfachen Mitteln, über einige Zeit hinweg ausgebaut. Im Jahr 1865 wurde der Kirche schließlich ein Westturm aus Backstein angefügt.

In Brietzig waren 1375 nur 40 von 52 Hufen besetzt gewesen. Hufen sind bewirtschaftbare Flächen. In Brandenburg hatte eine Hufe etwa 17 Hektar und in Pommern etwa 19,5 Hektar. Im gesamten Reich waren die Maße sehr unterschiedlich. Auch die bestehenden Kossätenhufen waren nicht vollständig besetzt. So blieb es auch über die Jahrhunderte hinweg. Für das Jahr 1375 ist beispielsweise aber bereits ein Krug vermerkt und 1573 dann ein Schmied und ein Hirte. Noch einmal 200 Jahre später auch Schneider und Leinenweber. Im Jahr 1931 gab es in Brietzig dann schon 38 Wohnhäuser und 1952 gründete sich die „LPG 12. Juli“ Brietzig.

Zu Brietzig gehören laut Sage auch die „Permensberge von Breetsch“. Die Zuordnung erfolgt meist zu Papendorf, die Hügelkette zwischen Brietzig und Wilsickow soll vor langer Zeit von Menschenhand, vermutlich als Verteidigungsmaßnahme gegen die Brandenburger, entstanden sein, so zumindest die Sagen.

Aber wenn es schon um die Berge geht: Eines der 275 in Mecklenburg-Vorpommern eingetragenen Naturschutzgebiete liegt unmittelbar bei Brietzig. Zwischen Brietzig und Starkshof befinden sich die Schanzberge von Brietzig. Die Schanzberge wurden bereits 1957, festgesetzt 1967, zu einem Naturschutzgebiet erklärt. Übrigens ist die Kennzeichnung von Naturschutzgebieten mit der „Naturschutz-Eule“ eine Erfindung und ein Überbleibsel aus der DDR.

So unspektakulär der Höhenrücken zunächst anmuten mag, desto stärker sind jedoch die Kräfte, die ihn schufen. Dieser Oszug stammt aus der Epoche des Pleistozän (zeitlich einzuordnen ist das Pleistozän etwa vor 2,5 Mio. Jahren bis vor etwa 11.700 Jahren), noch genauer aus einer der Kaltzeiten, denn Oser entstanden durch Inlandseis und die Sedimentablagerungen. Dementsprechend ist der Oszug bei Starkshof und Brietzig ein Zeitzeugnis der Kaltzeit in Norddeutschland. Die Kaltzeit endete etwa vor 11.700 Jahren und fand in einem Zeitraum von 100.000 Jahren statt. An die Berge kommt man allerdings nicht nah heran, eben um den Os sowie die sich dort entwickelte Flora und Fauna zu schützen.

Teresa Mirasch

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