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02.04.2026
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Kunst gegen politische und gesellschaftliche Enge: Künstlerinnen aus der DDR und Volksrepublik Polen


Frauenträume Stettin

In Stettin ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die für Besucherinnen und Besucher aus der Uckermark und aus Vorpommern-Greifswald besonders interessant sein dürfte. In der Trafostacja Sztuki widmet sich „Frauenträume“ noch bis zum 17. Mai 2026 Künstlerinnen aus der DDR und der Volksrepublik Polen, die in den 1980er-Jahren unter schwierigen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen gearbeitet haben. Die Ausstellung bringt Positionen zusammen, die sich damals kaum begegnen konnten, nicht zuletzt wegen der geschlossenen Grenzen und der politischen Lage in beiden Staaten.

Im Mittelpunkt stehen Künstlerinnen, die sich gegen auferlegte Rollenbilder, staatliche Kontrolle und gesellschaftliche Enge zur Wehr setzten. Ihre Arbeiten verbindet der Wunsch, selbstbestimmt über das eigene Bild zu verfügen. Sie kritisierten das offizielle Frauenbild in den sozialistischen Medien, widersetzten sich Diskriminierung und traditionellen Zuschreibungen und sprachen mit großer Offenheit über Wünsche, Körper, Sexualität und weibliche Erfahrung.

Die 1980er-Jahre waren in der DDR und in Polen von politischen Spannungen, Zensur und einem Mangel an Material geprägt. In Polen überschatteten Kriegsrecht und Repression den Alltag, in der DDR blieb die staatliche Kunstdoktrin des Sozialistischen Realismus bestimmend. Wer von ihr abwich, musste mit harten Konsequenzen rechnen, vom Entzug von Arbeitsmöglichkeiten bis zur Ausgrenzung aus dem offiziellen Kulturbetrieb. Viele Künstlerinnen und Künstler reagierten mit Rückzug oder Ausreise. Andere entschieden sich für den Untergrund: für alternative Räume, unabhängige Netzwerke und eine Kunst, die sich bewusst gegen die staatlichen Machtstrukturen stellte.

Genau diese widerständigen Strategien macht die Ausstellung sichtbar. Die Künstlerinnen experimentierten mit neuen Medien und Formen. Sie organisierten Performances, drehten Filme mit der 8-mm-Kamera, arbeiteten mit grafischen Techniken, gaben Zines heraus und schufen Collagen. Oft wurde der eigene Körper zum zentralen Ausdrucksmittel. In ihren Arbeiten entblößten, übermalten, banden oder inszenierten sie ihn, um politische und gesellschaftliche Zwänge offenzulegen. Wenn Materialien fehlten, wurde der Körper selbst zum Medium. Wenn Ausstellungen verboten wurden, entstanden Galerien in Wohnungen und privaten Räumen.

Trotz unterschiedlicher Bedingungen in beiden Ländern zeigen die Arbeiten bemerkenswerte Parallelen. In der DDR war die Kunst von Frauen eng mit der Punkszene und der unabhängigen Kultur verbunden. In Polen knüpfte sie stärker an avantgardistische Traditionen an, musste sich jedoch ebenfalls gegen Zensur und gegen ein konservatives, katholisch geprägtes Umfeld behaupten.

Ein zentrales Motiv der Ausstellung ist die Schwesternschaft. Gemeint ist damit nicht nur ein gemeinsames Thema, sondern eine künstlerische Praxis gegenseitiger Unterstützung. Viele Werke kreisen um Selbstporträt, Spiegel, Masken, Rollentausch und Inszenierung. Mit Ironie und Camouflage machten die Künstlerinnen die Widersprüche des sozialistischen Alltags sichtbar. Zugleich fragt die Ausstellung, wie aktuell diese radikalen künstlerischen Haltungen heute noch sind: Können die damaligen Formen des Protests auch heute noch inspirieren? Der Titel „Frauenträume“, inspiriert von einem Film der Künstlerinnengruppe Erfurt, stellt diese Frage bewusst offen.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Programm aus Vorträgen und Filmvorführungen. So referiert Marta Gendera am 9. April 2026 um 17 Uhr in der Trafostacja Sztuki über die Kunst von Frauen in der Volksrepublik Polen; der Vortrag wird auf Polnisch mit deutscher Übersetzung gehalten. Am 16. April 2026 um 18 Uhr folgt „Lange Weile“ von Tina Bara und am 25. April 2026 um 18 Uhr „Im Stillen Laut“. Auch beim deutschen Projektpartner in Gorkow stehen Veranstaltungen auf dem Programm: Am 30. April 2026 läuft „Bluszcz“ von Hanka Włodarczyk und am 8. Mai 2025 „Rebellinnen – Fotografie. Underground. DDR“ von Pamela Meyer-Arndt.

Alle Veranstaltungen werden gedolmetscht. Zudem wird auch nach Stettin ein Bustransfer angeboten. Einzelheiten dazu werden auf der Internetseite der Trafostacja Sztuki www.trafo.art sowie in deren Social-Media-Kanälen veröffentlicht.

Das Projekt wird kofinanziert aus dem Kleinprojektefonds (FMP) im Rahmen des Kooperationsprogramms Interreg VI A Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg / Polen 2021–2027. Projektpartner: Grenzland e. V. aus Gorkow (Löcknitz).

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