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12.02.2022
Regionales

(Ein)Blick in unsere Geschichte – See, Burgwälle und Naturschutz


Plöwen Kirche

Reitsport, Ferienlager oder Badesee – was man mit Plöwen verbindet, ist wohl unterschiedlich, da der Ort wohl so manche Erinnerung wecken kann. Doch was ist mit Naturschutz? Seit 1995 steht eine Fläche von ca. 230 ha unter Schutz, was die Entwicklung dieses großen zusammenhängenden Schilfgebietes fördern soll. Dieses Naturschutzgebiet Plöwensches Seebruch mit dem anhängenden Wald ist beeindruckend, friedlich und birgt neben der schönen Natur, den Bruchwäldern und Feuchtwiesen ein weiteres Stück Geschichte.

Die Existenz des Ortes ist seit Urkunden aus dem Jahr 1303 belegt. Doch der Ort war bereits deutlich früher slawisch besiedelt. Davon zeugt der „Hühnerwinkel“, der seinen Namen mindestens seit dem 19. Jahrhundert hat. Hierbei handelt es sich, wenn der Name auch nicht darauf hindeuten mag, um Burgwälle (Erdwälle mit Palisaden). Diese weisen auf eine einst zwischen Boock und Plöwen gelegene slawische Niederungsburg, am Rand des Plöwenschen Seebruchs, hin. Sie entstand möglicherweise bereits im 7. oder 8. Jahrhundert. Niederungsburgen haben anders als Höhenburgen keinen natürlichen Vorteil aufgrund ihrer erhöhten Lage, also werden sie häufig an Stellen errichtet, die auf andere Weise einen schützenden oder gut zu verteidigenden Vorteil bieten, wie an Flüssen (einstige Burg in Löcknitz) oder auch sumpfigem oder Seen-Land, wie im Falle Plöwens. Angrenzend an den See lag die Burganlage in moorigem Land, das heute landwirtschaftlicher Grünfläche gewichen ist. Was heute also teils Naturschutzgebiet ist, war früher natürlicher Schutz, wenn auch in anderer Gestalt. Der einstige See ist durch Entwässerung, mittels Grabenanlagen, im 19. Jahrhundert verschwunden und wurde zu Sumpfland, dessen Bewirtschaftung nur eingeschränkt möglich war. Eine Wanderung zu den Burgwällen ist sicher lohnend und scheinbar in den kalten Jahreszeiten am besten. Den richtigen Weg dorthin muss man aber erstmal finden, denn von Plöwen aus liegt zunächst teilweise die Schilffläche vor dem Ziel. Zu empfehlen wäre es, im Vorfeld mögliche Zugänge auszukundschaften.

In den Urkunden aus dem März und Mai des Jahres 1303 treten Henningus de Plovene und Iohannes de Plowene (womöglich Ritter) auf. Ihre Namen sind gewählt nach dem Ort, mit dem sie in Beziehung standen, dem heutigen Plöwen. Die Bedeutung des Ortsnamens ist wohl indirekt auch auf den erwähnten See zurückzuführen. „Plow“ aus dem Altslawischen bedeutet in etwa Boot oder Kahn, mit Blick auf das Umland auch allgemein „Ort an der sumpfigen Niederung“.

Die Kirche des Ortes, eine Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, brannte im Jahr 1848 nieder, und mit ihr wohl auch ein großer Teil des Dorfes. Wiederaufgebaut hat die Kirche ein Südportal, das im Vergleich mit Gebäuden ähnlichen Alters als bemerkenswert beschrieben wurde.

Urkunden der Jahre 1495 zeigen, dass Plöwen unter anderem Werner von der Schulenburg (der uns bereits aus der Geschichte von Löcknitz bekannt ist) übertragen wurde. Zu späterer Zeit hatte das Geschlecht Ramin Anteile am Ort.

Nach dem Stettiner Erbfolgestreit der Jahre 1464 –  1472 wurde Plöwen märkisch. Der ständige Streit um die Uckermark „löste“ sich im Friedensschluss 1472 schließlich dahingehend, dass die Höf, die zuvor bereits pommerschen Rittern gehört hatten, auch pommersch blieben. So ergab es sich, dass neben den 17 (später zu 14 gefassten) Bauernstellen, die nun zur Mark Brandenburg gehörten, es auch noch drei pommersche Bauernstellen gab. Diese Art der gemeinschaftlich ausgeübten Herrschaft durch verschiedene Herrschaftsträger (als Kondominat bezeichnet) war nicht selten, es gab sie beispielsweise auch im Dorf Zerrenthin. Erst 1816 wurde Plöwen wieder endgültig pommersch. Zuvor brachten aber zum Ende des 17. Jahrhunderts noch die Hugenotten den Tabakanbau nach Plöwen. Dieser wurde hier noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein betrieben. 1697 lebten im Ort 32 Mitglieder der französischen Gemeinde, im Jahr 1703 sollen es dagegen nur noch 8 gewesen sein. Insgesamt hatte der Ort zwischen 1860 und 1870 mehr als 600 Einwohner, nach dem Zweiten Weltkrieg waren es zeitweise beinahe 1000. Heute ist es ein kleiner Ort mit etwa 270 Einwohnern – friedlich und ideal für einen gemütlichen Spaziergang.

Teresa Mirasch

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